Straßenkinder in Tansania

Als ich 1993 zum zweiten Mal nach Tansania kam, fielen mir sofort die vielen Straßenkinder an den großen Ampelkreuzungen, auf den Verkehrsinseln und im Grunde im ganzen Stadtbild von Dar-Es-Salaam auf. Es dauerte nicht lange und ich bekam Kontakt zu den Mitarbeitern des Dogodogo Straßenkinderprojekts. Als sie erfuhren, dass ich in Sambia afrikanische Märchen gesammelt hatte, schlugen sie mir vor, diese den Kindern des Projekts zu erzählen ... und zwar auf Kiswahili.

Ich übersetzte mit Hilfe einer Freundin drei Märchen aus dem Buch „Kalulu und andere afrikanische Märchen“ und machte mich eines Morgens auf zum Drop-in-Zentrum, das sich inmitten des Geschäftsviertels der Stadt befindet.

Hier erwarteten mich ca. vierzig Jungen auf der mit Wellblech überdachten Terrasse und von diesem Tage an nannten sie mich „Mama Hadithi“ (Mutter Märchen).

Von diesem Tage an veränderte sich Vieles in meinem Leben. Mit Hilfe der Märchen öffneten sich die Kinder mir gegenüber und sie erzählten von sich. Ich erfuhr, woher sie kamen, warum sie auf der Straße lebten, was sie als Kinder erlitten hatten. Jedes Kind hatte eine eigene Geschichte, hatte Gewalt am eigenen Leib erlebt, litt an Ängsten, trauerte und sehnte sich nach Geborgenheit und Schutz.

Und sie alle hatten gelernt auf der Straße zu „überleben“. In einer grausamen und harten Umwelt, deren „Gesetze“ sie kennengelernt hatten und in der sie eigene Überlebensstrategien entwickelt hatten.

Mit dem Märchenerzählen fing alles an ... Doch bald war ich als Beraterin mit der Planung, Vorbereitung und Bau eines Wohnheims für die eingeschulten Jungen des Dogodogo Drop-In-Zentrums engagiert und von 1997 bis 2003 war ich Mitglied im Vorstand des Dogodogo Trust. Das Wohnheim wurde von der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) finanziert und im Juli 1996 von dreißig Schuljungen (ehemalige Straßenkinder) und sieben MitarbeiterInnen bezogen.. Da die Finanzierung der laufenden Kosten nach der Fertigstellung des Baus nicht gesichert war, gründete ich mit Freunden in Deutschland den Verein "Hilfe für Afrika e.V." ( www.hilfefuerafrika.de ) und finanzierte diese mit den eingenommenen Spenden.

Inzwischen wird das Kigogo-Wohnheim von der Deutschen Welthungerhilfe finanziert.

Da es in DSM kein ähnliches Projekt für Mädchen gab, arbeitete ich als Beraterin seit 1996 mit zwei dänischen Frauen und dem damaligen Leiter der Salvation Army an der Planung eines Mädchenwohnheims. Die Heilsarmee war damals die einzige Organisation, die sich der Mädchen (u.a. junge Prostituierte) angenommen hatte. Dieses Projekt wurde von DANIDA finanziert und im Dezember 2000 für 30 Mädchen im Alter von 6 bis 12 Jahren eröffnet. Seit 2003 wird dieses Projekt von der Heilsarmee finanziert.

Seit 1990 waren verschiedene Straßenkinderprojekte in Dar-Es-Salaam entstanden und sie alle versuchten und versuchen bis heute, den Kindern, neben der leiblichen und seelischen Versorgung, auch eine Ausbildung zu geben.

In den insgesamt zehn Jahren in Tansania weitete sich meine Arbeit immer mehr aus. Ich lernte auch die anderen Projekte in Dar-Es-Salaam kennen – u.a. Child in the Sun und Tuamoyo - und versuchte ihnen durch Beratung (bez. Organisation, Finanzierung, Ausbildungsinhalte u.a.m.) und auch Finanzierung zur Seite zu stehen. Mit den von "Hilfe für Afrika e.V." eingenommenen Spenden, konnten wir Projekten aus finanziellen Notsituationen heraushelfen und einzelne Programme finanzieren.

Durch meine Arbeit mit den Straßenkindern lernte ich bereits in den ersten Monaten in Tansania das Kinderuntersuchungsgefängnis (Remand Home) kennen. Eine Art geschlossenes Wohnheim, in dem Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren einsitzen und auf ihr Gerichtsurteil warten.

"Hilfe für Afrika e.V." finanzierte 2001 bis 2003 das Pilot-Projekt im Dar-es-Salaam Remand Home, aus dem das Nationale Programm entwickelt wurde und das seit Dezember 2003 in Tansania in den anderen Remand Homes und der Approved School implementiert wird. Eine genaue Beschreibung des Projekts finden Sie auf www.hilfefuerafrika.de.

Die Unterstützung von einzelnen Programme, Initiativen und Projekten in Tansania durch "Hilfe für Afrika e.V." findet weiterhin statt.